Manche Bewerber möchten in ihrer Bewerbung mit Fachlichkeit Eindruck schinden. Das kann aber nur gelingen, wenn der Briefempfänger in der Terminologie bewandert ist. Meist sind Mitarbeiter im Personalbüro jedoch nicht so intensiv mit technischen Details in ihrer Firma vertraut. Daher kann eine Bewerbung mit dem folgenden Text eine schwer verdauliche Kost für den Personaler sein:
“… nach zwei Jahren als Konstrukteur in den Bereichen Produktentwicklung/Kunststoffteile mit dem 3D-System CatiaV4 sowie Schienenfahrzeuge mit dem 2D-System ME10 bei Firma XYZ suche ich einen neuen Wirkungskreis. Hier konnte ich mit Catia V4 sehr gute Kenntnisse im Bereich Solid-Design und Drafting, sowie gute Kenntnisse im Bereich Surface-Design (ohne Freiform) erwerben.”
Das verstehen nach meiner Meinung nur Insider. Ja, die Mitarbeiter einer solchen Firma kennen sich aus. Doch hat der Bewerber diesen Brief an einen Arbeitsvermittler geschrieben. Der versteht nur “Bahnhof”, sollte er nicht ausgerechnet aus dem Konstruktionsgewerbe kommen.
Alternative:
“auf der Suche nach einer neuen Aufgabe bewerbe ich mich in Ihrem Unternehmen.
Als Diplom-Ingenieur Maschinenbau besitze ich Erfahrung in der Konstruktion von Kunststoffteilen für den Fahrzeugbau. Ich bin versiert im Umgang mit der aktuellen Konstruktionssoftware, insbesondere mit CatiaV4 und ME10.”
Nun kann man noch einige andere Skills anfügen und hat damit eine lesbare Bewerbung verfasst, die die Wesentlichen Informationen enthält.
Ein Bewerber schreibt:
Ich bin 38 Jahre jung und über 15 Jahre bei der Firma XYZ beschäftigt.
Wenn der Bewerber erwartet hat, dass sich aus diesem Satz eine wohlwollende Betrachtung ergibt, dann irrt er sich. Dieser Satz ist unnötig und überflüssig aus zwei Gründen:
a) das Alter stellt keine qualitative Aussage dar und kann im Lebenslauf nachgelesen werden.
b) die Zeit, die man in einer Firma verbracht hat, stellt ebenfalls keine qualitative Aussage dar und kann dem Lebenslauf entnommen werden. Zudem ist es Aufgabe des Arbeitszeugnisses, die in dieser Zeit erbrachte Leistung positiv zu bewerten.
Weiterhin kritisiere ich die Formulierung “ich bin .. Jahre jung.” Der Bewerber hat wohl ein Problem mit dem Älterwerden. Er will hier wohl auf seine – möglicherweise noch vorhandene – geistige Frische hinweisen. Das könnte er tun, wenn er an anderer Stelle schriebe: “Ich lerne gerne Neues hinzu…”
Folgenden Text habe ich in einer Bewerbung gefunden:
“Im März 2002 habe ich mein Studium der Sozialen Arbeit…beendet. Während des Studiums erlernte ich theoretische Grundlagen in verschiedenen Bereichen erzieherischer und sozialpädagogischer Arbeit.”
Meine erste Reaktion: “Was sonst?” Überlegen Sie selbst: welchen Informationswert hat dieser Absatz? Die Dauer des Studiums steht im Lebenslauf, und dass man während eines Studiums die theoretischen Grundlagen des entsprechenden Fachbereiches erlernt, steht auch fest. Nichts anderes habe ich während meines Studiums auch gemacht.
Weiter schreibt sie: “Praktische Erfahrungen, speziell auch im Umgang mit Kindern, konnte ich in diversen Praktika sowohl während als auch nach meinem Studium im In- und Ausland sammeln.”
Alternative: Die Bewerberin hat den Studienschwerpunkt “Interkulturelle/Internationale soziale Arbeit ” belegt. Das ist doch eine Information, die etwas über die Interessen der Stellensuchenden aussagt! Ein praktisches Studiensemester hat sie in Südafrika mit geistig und körperlich behinderten Kindern verbracht. Sie war darüber hinaus ein Jahr lang in einem südamerikanischen Land als Sozialarbeiterin unterwegs. Die Diplomarbeit ging über Sport und Bewegung mit behinderten Menschen. Damit kann ich doch Eindruck machen. Nichts davon kommt im Anschreiben vor.
Mit dem richtigen Gefühl für die eigenen Stärken könnte die Bewerberin schreiben:
“Während des Studium engagierte ich mich ehrenamtlich in der Hausaufgabenbetreuung in einem Jugendzentrum. Ein praktisches Studiensemester absolvierte ich in einer Behinderteneinrichtung in Südafrika. Darüber schrieb ich auch meine Diplomarbeit. Nach dem Studium arbeitet ich als Sozialarbeiterin ein Jahr in Südamerika, wo ich Straßenkinder betreute.”
Ist das nicht viel interessanter, als der ursprüngliche Text? Also ist der zitierte Text überflüssig.
Zu unnötigen Aussagen in Bewerbungen rechne ich solche, die falsche Vermutungen hervorrufen und somit den Eindruck eines Bewerbers negativ beeinflussen. Oft sind es genau diese Sätze, die einen Bewerber als ungeeignet entlarven. Aus Sicht des Mitarbeiter Suchenden sind diese überflüssigen Sätze eine Hilfe, weil man diese Bewerber schnell aussortieren kann. Für den Bewerber ist es ein k.o.-Kriterium und ist deswegen zu vermeiden.
Eine Bewerberin schreibt:
“Durch meine Ausbildung und zweijähriges Praktika im Kindergarten bringe ich bereits erziehungspraktische Erfahrung sowie die notwendige berufliche Qualifizierung mit.
Hierbei wurde mir auch deutlich, dass eine Kinderpflegerin viel Einfühlungsvermögen und Geduld aufbringen muss.“
Neben der falschen Grammatik im ersten Satz fiel mir der zweite besonders auf. Will die junge Frau (20 Jahre) damit sagen, dass sie das vorher nicht gewusst hat? Ist sie mit falschenVorstellungen in die Ausbildung gegangen? Hat sie nun Einfühlungsvermögen und Geduld oder nicht?
Wenn sie beides besitzt – egal, ob vorher besessen oder durch den Lernprozess in der Ausbildung erworben – dann soll sie es auch so schreiben:
Mit Einfühlungsvermögen und Geduld widme ich mich den Kindern.
Klare Sache, das klingt vertrauenswürdig und überzeugend. Was meinen Sie?
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