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Unnötige Aussagen #2

Folgenden Text habe ich in einer Bewerbung gefunden:

“Im März 2002 habe ich mein Studium der Sozialen Arbeit…beendet. Während des Studiums erlernte ich theoretische Grundlagen in verschiedenen Bereichen erzieherischer und sozialpädagogischer Arbeit.”

Meine erste Reaktion: “Was sonst?” Überlegen Sie selbst: welchen Informationswert hat dieser Absatz? Die Dauer des Studiums steht im Lebenslauf, und dass man während eines Studiums die theoretischen Grundlagen des entsprechenden Fachbereiches erlernt, steht auch fest. Nichts anderes habe ich während meines Studiums auch gemacht.

Weiter schreibt sie: “Praktische Erfahrungen, speziell auch im Umgang mit Kindern, konnte ich in diversen Praktika sowohl während als auch nach meinem Studium im In- und Ausland sammeln.”

Alternative: Die Bewerberin hat den Studienschwerpunkt “Interkulturelle/Internationale soziale Arbeit ” belegt. Das ist doch eine Information, die etwas über die Interessen der Stellensuchenden aussagt! Ein praktisches Studiensemester hat sie in Südafrika mit geistig und körperlich behinderten Kindern verbracht. Sie war darüber hinaus ein Jahr lang in einem südamerikanischen Land als Sozialarbeiterin unterwegs. Die Diplomarbeit ging über Sport und Bewegung mit behinderten Menschen. Damit kann ich doch Eindruck machen.  Nichts davon kommt im Anschreiben vor.

Mit dem richtigen Gefühl für die eigenen Stärken könnte die Bewerberin schreiben:
“Während des Studium engagierte ich mich ehrenamtlich in der Hausaufgabenbetreuung in einem Jugendzentrum. Ein praktisches Studiensemester absolvierte ich in einer Behinderteneinrichtung in Südafrika. Darüber schrieb ich auch meine Diplomarbeit. Nach dem Studium arbeitet ich als Sozialarbeiterin ein Jahr in Südamerika,  wo ich Straßenkinder betreute.”

Ist das nicht viel interessanter, als der ursprüngliche Text? Also ist der zitierte Text überflüssig.

Kategorien:Anschreiben
  1. 8. Juli 2009 um 09:05 | #1

    Hmmm. Stimmt. Das hätte Eindruck gemacht. Ich glaub, dass Bewerbern oft der Mut fehlt auch im Bewerbungsschreiben kreativ zu sein und lieber die “Standard-Floskeln” runterschreiben.

    • 8. Juli 2009 um 09:12 | #2

      Ja, leider. Hier wurde einfach nicht genügend nachgedacht, was einen qualitativ von anderen unterscheidet (USP). Man kann das als typisch für Sozialpädagogen abtun, es findet jedoch auch bei allen anderen Berufsgruppen statt.

  2. 21. September 2010 um 16:40 | #3

    Woran mag es nur liegen, dass Bewerber sich lieber auf abstrakte = langweilige, nichtssagende Aussagen zurückziehen als die konkreten = spannenden Fakten zu nennen? Das ist so, als würde man auf Nachfrage nicht »mit seinem Hund Gassi gehen«, sondern »mit seinem Haustier eine Tätigkeit verrichten«. Blutleerer geht’s nimmer. Ist es die Ehrfurcht vor dem Unternehmen/Personaler, die Viele instinktiv veranlasst, zum Bürokratendeutsch zu wechseln?

  3. 12. Oktober 2010 um 05:55 | #4

    Meine Erfahrung ist die: wenn ein Ungeübter versucht, wohlgeformte Sätze zu schreiben, schlägt das sehr schnell in Beamtendeutsch um. Leider trauen sich die meisten Bewerber nicht, im Schriftdeutsch eine ähnliche Sprache zu sprechen wie in der täglichen Konversation. Dann verkrampft man und der Text wird “blutleer”.

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