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Archiv für 14. Juni 2010

Weniger “würde” hätte mehr Würde

Ein Bewerber schreibt:
“Mein Wunsch wäre es auch beruflich meine kommunikativen und sozialen Fähigkeiten einzusetzen. Eventuell könnten auch meine Russich-Kenntnisse von Vorteil sein.(…) Sie würden in mir einen engagierten Mitarbeiter finden, der sich auch gerne in neue Aufgabengebiete einarbeitet.”

Ja, der Konjunktiv, er ist ein ständig wiederkehrender Stolperstein. Warum?

Im ersten Satz steht, es “wäre” sein Wunsch. Mein Frage lautet: welche Umstände oder Bedingungen müssten erfüllt sein, damit dieser Wunsch auch wirklich zum echten Wunsch wird. Der Satz wird als Bedingung formuliert, ohne eine Bedingung zu nennen. Also bleiben Fragen offen und das soll in einer Bewerbung nicht sein.

Besser ist: “Mein Wunsch ist es,…”

Im zweiten Satz formuliert der Bewerber “Eventuell könnten auch …”. Warum so bescheiden? Klar können Russisch-Kenntnisse von Vorteil sein, wenn russisch sprechende Menschen zum Klientel gehören. In diesem Satz steckt eine Portion Unwissenheit: habe ich mit russischen Kindern oder Erwachsenen zu tun, ja oder nein? Auf Vermutungen reagieren ist nicht sinnvoll, also lasse ich diese Bemerkung weg.

“Sie würden in mir…” beginnt der letzte Satz im Zitat. Auch hier wird eine Bedingung angedeutet, die nicht beschrieben wird. Bitte mehr Selbstbewusstsein! Der Schreiber hat gemeint: “In mir finden Sie…” – er wollte sicher die Tatsache beschreiben, dass er engagiert ist. “In mir finden Sie…” das klingt aktiv, überzeugend, mit Würde ausgedrückt, als Konjunktiv bleibt nur der Eindruck der Unterwürfigkeit.

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